Tag der Transsichtbarkeit

Tag der Transsichtbarkeit


Der 31. März ist seit 2009 der internationale Tag der trans* Sichtbarkeit. Trans Personen sind Menschen, die sich nicht (ganz) mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren können, weshalb sie z.B. einen neuen Namen wählen oder andere Pronomen als zuvor nutzen. Dabei kann man entweder binär trans* sein, wenn man z.B. dem männlichen Geschlecht zugewiesen wurde, aber eigentlich ein Mädchen ist, oder nicht-binär, wenn man nicht komplett männlich oder weiblich ist. Nicht-binäre Menschen nutzen teilweise Neopronomen, also Pronomen die nicht er/sie sind, dazu gehören z.B. dey/dem oder xier/xiem. Am 31. März soll auch Uninformiertheit durch Aufklärung entgegengewirkt werden. Dies ist enorm wichtig, da gerade trans* Menschen in unserer heutigen Gesellschaft noch immer viel Diskriminierung erfahren, gerade in letzter Zeit hat sich das gezeigt, als die EMMA einen transfeindlichen Artikel über die Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer schrieb. Auch im Zusammenhang mit dem Transsexuellengesetz, das trans* Menschen noch immer pathologisiert, ist es essentiell auf das Leid und die Probleme von Betroffenen aufmerksam zu machen. Die eigene Familie scheint in vielen Fällen für trans* Kinder und Jugendliche kein sicherer Ort zu sein: In einer Befragung von trans* Jugendlichen gaben 79 Prozent an, dass ihre Familie ihre Geschlechtsidentität nicht ernst genommen habe. Insbesondere trans* Mädchen und junge trans* Frauen berichteten darüber hinaus, selbst in der Familie beschimpft oder lächerlich gemacht (22 Prozent) oder körperlich angegriffen worden zu sein (sechs Prozent; bei nicht-binären Jugendlichen acht Prozent). Auch in der Schule setzt sich die Diskriminierung fort, so sind der Studie zufolge Beleidigungen (44 Prozent) und Ausgrenzung (36 Prozent) Teil transgeschlechtlicher Alltagserfahrung. Die Auswirkungen u.A. davon zeigen sich auch darin, dass das Suizidrisiko von trans Jugendlichen 6x höher ist, als das von cis Jugendlichen. Hinzu kommt noch, dass die medizinische Transition, die das Suizisrisiko enorm senken kann, da trans Personen sich so besser in ihrem Körper fühlen, häufig stark erschwert wird, wenn gleichzeitig eine Schizophrenie, PTBS oder DIS besteht. Doch auch im Erwachsenenalter haben trans* Menschen oftmals noch viele Probleme, in der Studie „Out im Office“ gaben rund ein Viertel der trans* Befragten ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1000 Euro an (in der Teilgruppe der nicht-binären Befragten sogar 40 Prozent) und das trotz überdurchschnittlicher Bildung. Besonders erschreckend ist, dass zwischen Oktober 2020 und September 2021 weltweit 375 trans* und nicht-binäre Personen getötet wurden, womit 2021 das bisher tödlichste Jahr für trans* Personen ist. Um genau auf diese oft in der Gesellschaft unsichtbaren Probleme und Diskriminierungserfahrungen aufmerksam zu machen und sie sichtbar zu machen, gibt es den Tag der trans* Sichtbarkeit.

Quellen:

Frohn, Dominic/Meinhold, Florian/Schmidt, Christina (2017): Out im Office?! Sexuelle Identität und Geschlechtsidentität, (Anti-)Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz. Herausgegeben von IDA | Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung

JAMA Studie Estimating the Risk of Attempted Suicide Among Sexual Minority Youths. A Systematic Review and Meta-analysis 

Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2014): Leben als Trans* in der EU. Vergleichende Datenanalyse aus der EU-LGBT-Erhebung. Zusammenfassung

Krell, Claudia/Oldemeier, Kerstin (2017): Coming-out – und dann…?! Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland